Wilder Wegesrand

Wildkräuter, Wildfrüchte & grünes Leben

Robustes, leckeres ‚Unkraut‘ – der Giersch

Nicht ärgern – einfach essen!  So lautet die Devise, wenn man Giersch im Garten hat. Er breitet sich durch sein weit verzweigtes Wurzelgeflecht sehr stark aus und wuchert gerne mal andere Pflanzen zu. Ist er einmal da, wird man ihn nicht wieder los. Sollte man aber auch gar nicht anstreben, denn er ist lecker und gesund! Am besten also immer wieder ausrupfen, waschen, mapfen! 🙂 Und: keine Sorge: so viel rupfen, dass Giersch nicht mehr nachwächst, geht gar nicht. Der gute Giersch ist eines der robustesten Wildkräuter, die es so gibt.

 

Giersch, das Petersilien-Kraut

Gierschblätter_2

Junge Giersch-Blätter: Sie erinnern geschmacklich an Petersilie

Der Giersch bietet viele Einsatzmöglichkeiten in der Wildkräuterküche. Sein Geschmack erinnert an Petersilie, ist aber etwas herber, rauer, dunkler als das klassische Küchenkraut. Irgendwo las ich, Giersch schmecke wie eine Mischung aus Petersilie und Möhre.

In der Tat geht der Giersch eine ganz köstliche Mischung mit der Möhre ein, denn ihre Süße verbindet sich hervorragend mit seinem petersilienartigen Geschmack. Generell passt süßlich schmeckendes Gemüse oder auch Obst zu vielen Wildkräutern, die ja oft einen etwas herben Geschmack haben.

 

Ob Blätter, Blüten ..

Im April, noch vor seiner Blüte, erntet man die ganz zarten, hellgrünen, oft noch etwas eingefalteten Blätter. Auch später im Jahr wachsen die immer wieder nach – s.o. 😉 Die größeren Blätter können ebenfalls verwendet werden, sie schmecken intensiver aber auch herber.

Giersch_Blüten_1

Ende Mai bis Anfang Juni steht der Giersch in voller Blüte. Giersch-Blüten schmecken leicht süßlich und lecker!

 

Giersch-Blätter können roh in Salate gegeben werden, werden wie Spinat gekocht oder passen als Würzkraut – ähnlich wie Petersilie – auf viele Gerichte. Ganz besonders lecker schmecken sie blanchiert und mit etwas Weißwein abgeschmeckt zu Möhrengemüse.

.. oder Samen: Der Giersch gibt alles

Außerdem kann man die Giersch-Blüten ernten und z.B. zu Salaten dazugeben. Sie schmecken etwas süßer als die Blätter und Stengel. Und auch die Samen dieses hartnäckigen Wildkrauts, die von der Form her wie Fenchelsamen aussehen, lassen sich als Gewürz einsetzen. Ich gestehe: ich habe sie noch nicht probiert, werde es aber auf jeden Fall bei nächster Gelegenheit tun. Sie sollen an Kümmel erinnern – ich bin gespannt.

Gesundes im Giersch:  Vitamine, Mineralstoffe & mehr

Giersch_Blatt_jung

Erinnert an Cannabis 😉  Ist aber ein ganz junges, leckeres Blatt vom Giersch

Der Giersch enthält viele Mineralstoffe, etwa Kalium, Magnesium und Calcium, außerdem Mangan, Zink und Kupfer. Und er hat einiges an Vitaminen zu bieten, insbesondere Vitamin A und Vitamin C.

Außerdem enthält Giersch pflanzliches Eiweiß, ätherische Öle und Flavonide, die auch als sekundäre Pflanzenstoffe bezeichnet werden und verschiedene Eigenschaften besitzen. So gibt es Flavonide, die freie Radikale binden, manche wirken antibakteriell und wiederum andere senken den Cholesterinspiegel oder schützen das Herz-Kreislauf-System.

Wildkräuterkraft gegen Gicht

Giersch gilt als krampflösend, entzündungshemmend und entsäuernd. Außerdem wirkt er leicht harntreibend und wird wegen all dieser Eigenschaften gegen Gicht eingesetzt. Zum Beispiel auch als Tee, wie ich auf Twitter erfahren habe 😉

KÜCHEN-TIPP: Ich verwende Giersch-Blätter außerdem gerne als Pizzabelag. Unten Tomatensoße, Oregano und Knofi, dann den Giersch und oben drauf Parmaschinken, (Kirsch-) Tomaten und Parmesan – köstlich!

Achtung: Verwechslunsgefahr!

Leider gibt es ein paar Pflanzen, mit denen der Giersch verwechselt werden kann – insbesondere, wenn er blüht. Denn diese Doldenblütler sind ebenfalls weiß und sehen den Blüten des Giersch recht ähnlich. Das sind: die Hundspetersilie, der Taumel Kälberkropf (auch Hecken-Kälberkropf genannt), der Wasserschierling und der Gefleckte Schierling – die beiden letzteren können tödlich sein.. Hier ein gutes Video über die extreme Ähnlichkeit dieser Doldenblütler. Allerdings haben die giftigen Exemplare alle ganz andere Blattformen als der Giersch: sie zeichnen sich durch mehr oder weniger gefiederte Blätter aus, die ein wenig an Möhrengrün erinnern.

Giersch_close

Die ‚3‘ – Das Giersch-Erkennungsmerkmal

Bei der Bestimmung des Giersch hilft die Zahl drei, denn der Giersch ist quasi ein „Drei-Kraut“: So gehen von einem Giersch-Stengel immer drei Blatt-Stengel ab und am Ende jedes Blatt-Stengels wachsen drei, leicht eierförmige Blätter. Es sind wirklich immer drei. Und auch der Stiel ist ‚dreieckig‘ – das kann man fühlen. Also: immer auf die Blätter und die Drei achten! 🙂

Und das schreibt Miri in ihrer Hexenküche zum Giersch. Klingt auch sehr lecker! 🙂

Giersch: Unsägliches Unkraut oder einfach nur lecker?

Giersch in der Wildkräuterküche: Leckere Giersch-Rezepte

1. Giersch-Tarte mit Birnen und Schafskäse

Für den Teig: (Für eine Tarteform von 26 bis 28 cm Durchmesser)

  • 150 gr Mehl
  • 75 gr Butter, am besten weich aber nicht zerlassen
  • 1 TL Salz
  • 1 Ei
  • Backpapier sowie getrocknete Erbsen, Linsen oder andere Hülsenfrüchte zum ‚Blindbacken‘ des Tarte-Bodens

 

Gierschtarte_gebacken

Gierschtarte schmeckt heiß oder kalt

 

Für den Belag:

  • 4 Handvoll Giersch (ca 100 gr oder 30 Stängel)
  • 1 mittelweiche Birne
  • 1- 2 Knoblauchzehen (oder 10 bis 12 Blätter frischen Bärlauch)
  • 125 ml süße Sahne (Schlagsahne)
  • 150 gr Schmand / Crème légère / Crème fraîche
  • 2 Eier
  • 1/2 Packung Schafskäse
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss, Currypulver
  • Bei Belieben: Walnüsse oder Pinienkerne zum Bestreuen

 

Zubereitung:

1. Mehl in eine große Schüssel geben (ich habe hier Vollkornmehl verwendet, ich finde, es passt gut zum Giersch), Salz unter das Mehl rühren, weiche Butter und Ei dazu geben und zu einem Teig verkneten. 15 – 30 Minuten abgedeckt im Kühlschrank ruhen lassen. Aber vor dem Ausrollen sollte der Teig wieder etwas wärmer sein.

2. Tarteform mit Butter einfetten

3. Mehl auf die Arbeitsfläche, den Teig auf Tartegröße ausrollen und in die Tarteforme geben. Den Teig drücken, so dass die Ränder auch mit eine Teig bedeckt sind.

4. Mit einer Gabel ein paar Löcher in den Teig piecksen. Dann das Backpapier passend drauf legen und die trockenen Hülsenfrüchte drüber. Sie beschweren den Teil, er bleibt der Teig in Form, wird nicht zu feucht und bricht nicht. Die Hülsenfrüchte kann man nach dem Backen wegtun.

5. Den Tarteboden im Ofen bei 180 Grad ca 15 bis 20 Minuten backen. Herausnehmen und abkühlen lassen.

6. Den Giersch waschen und trocken schütteln, klein hacken. Den Knoblauch schälen und klein hacken. Den Schafskäse in feine Würfel schneiden oder je nach Konsistenz auf einem Teller ‚zerkrümeln‘.

7. In einer tiefen Rührschüssel die Eier mit der Sahne und dem Schmand
(Crème légère / Crème fraîche) verquirlen. 1 Tl Salz dazu, Pfeffer nach Belieben, ein wenig Muskatnuss darüber reiben und eine Messerspitze Currypulver dazu geben.

8. Den gehackten Giersch, Knoblauch und Schafskäse in die Masse geben – etwas Schafskäse zum Bestreuen der Tarte übrig lassen – und auf dem Tarteboden verteilen.

9.Die Birne waschen und in feine Scheiben schneiden und drüber legen.

Zum Schluss noch etwas Schafskäse über die Birne streuen. Ebenso – wer mag – noch Walnüsse oder Pinienkerne drüber geben.

10. Die Tarte bei 180 Grad mit Umluft etwa 20 – 25 Min. backen.

 

***

2. Giersch-Tomaten-Salat

Die jungen Blätter des Giersch ergeben zusammen mit Tomaten und Parmesan einen tollen Salat. Einfach das Lieblingsdressing drüber: köstlich!

Hier im Bild sind noch junge Löwenzahn-Blätter dabei. Das Dressing halte ich bei Wildkräuter-Salaten gerne süßlich. Das ergänzt ihren eher herben Geschmack. Aber der junge Giersch ist eher mild.

Giersch-Salat_1

Frisch, kackig & lecker: Salat mit jungen Gierschblättern

 

 

***

3. Giersch-Pizza

Für den Teig:

  • 500 g Weizenmehl
  • 300 ml Wasser, lauwarmes (ca. 35 Grad)
  • 20 g frische Hefe
  • 2 TL Meersalz
  • 2-3 EL Olivenöl

(Man kann auf fertigen Pizza-Teig aus der Kühltheke kaufen oder eine TK-Magarita ‚pimpen‘ – aber so mit selbst gemachtem Teig ist’s auf jeden Fall leckerer!)

Für den Belag:

  • Ca 20 – 25 Giersch-Stengel, je mehr desto intensiver der Giersch-Geschmack
  • Passierte Tomaten
  • 2 El Oregano oder auch selbst gesammelten Dost 😉
  • 2 Knoblauchzehe
  • 5-6 süß schmeckende (reife), mittelgroße, frische Tomaten. Wahlweise mehr Kirschtomaten
  • 100 – 150 gr Parmaschinken
  • 100 gr frischen Parmesankäse
  • Salz, Pfeffer

1. Das Mehl in eine große Schüssel geben. Das Salz im Mehl verrühren.

2. Die Hefe im lauwarmen Wasser auflösen, im Mehl eine Mulde formen und hineingeben. Das Olivenöl hinzu und gut durch kneten, bis ein  geschmeidiger Teig entstanden ist – je länger, desto geschmeidiger.

3. Die Schüssel mit einem sauberen Küchentuch abdecken und den Teig darin mindestens 30 Minuten bei Zimmertemperatur gehen lassen.
Wer genug Muße hat, kann ihn dann noch für mehrere Stunden in den Kühlschrank legen (am besten portioniert man ihn vorher), dann wieder herausnehmen und wieder auf Zimmertemperatur annehmen lassen.

4. Den Giersch waschen, trocken schütteln und klein hacken. Den Knoblauch schälen und ebenfalls klein hacken. Die Tomaten waschen und in Scheiben schneiden.

5. Mehl auf der Arbeitsfläche verteilen, den Teig drauf, mit Mehl bestäuben und auf die Größes des Backblechs ausrollen. Wenn das Nudelholz am Teig klebt: zwischendurch mit Mehl bestäuben.

6. Backpapier aufs Backblech und den Teig drauf heben. Nochmals dort etwas gehen lassen (5 bis 10 Min.) Den Ofen auf Ober- & Unterhitze auf 200 Grad vorheizen.

7. Die Tomatensoße dünn auf dem Teig verteilen, etwas salzen, Oregano/Dost& Knoblauch auf der Soße verteilen und dann den gehackten Giersch ebenfalls. Mit etwas Olivenöl beträufeln.

8. Pizza in der Mitte des Ofens ca. 20 Minuten backen (immer mal wieder schauen, ob der Rand nicht schwarz wird).

9. Den Parmesan grob hobeln, den Parmaschinken zerteilen und auf die Pizza legen, wenn die aus dem Backofen kommt.

***

 

4. Giersch als Zutat

Wenn man grad keine Petersilie hat, ist Giersch ein prima Ersatz. Und ich nutze ihn immer gerne als Zutat zu frischen Smoothies.

 

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Header Giersch

Giersch im Garten? Nicht ärgern – essen! Der Giersch bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten in der Wildkräuterküche.

 

 

 

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6 Kommentare

  1. Wegen des starken Dauerregens in diesem Frühjahr, löse ich gerade mein schönes Staudenbeet auf, weil es alle Jahre, aller Säuberrung zum Trotz, immer wieder von Girsch überwuchert wird !!!!

    Dennoch danke für die guten Rezepte, als Salatbeigabe habe ich ihn schon genossen, doch zu viel ist zu viel !! : )

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