Wilder Wegesrand

Wildkräuter, Wildfrüchte & grünes Leben

Die Mispel – Spätzünder unter den Wildfrüchten

Rausgehen im November? Och nöö – so ungemütlich. Stimmt ja auch oft. Aber neben fiesen, windigen Regentagen gibt’s im November immer wieder auch ganz wunderbar stille, etwas diesige Herbsttage, an denen mit etwas Glück doch noch der Himmel aufreißt und gen Abend ein ganz wunderbar pastellfarbenes Abendrot präsentiert. UND: Sogar im November ist es noch nicht ganz vorbei mit der Ernte am Wilden Wegesrand.

Neben einigen Wildkräutern wie Gänseblümchen, Vogelmiere, Schafgarbe oder Sauerampfer finden sich auch noch die ein oder anderen Wildfrüchte. Manche von ihnen brauchen sogar Kälte und Frost, um richtig genießbar werden. Zu ihnen zählt die Mispel. Ja, richtig, die schreibt sich mit „‚P“ – also nicht wie den Zweig, unter dem man zu Weihnachten knutscht 😉

Selten gewordene Wildfrucht mit asiatischen Wurzeln

Die Mis“P“el stammt ursprünglich aus dem Orient bzw. dem asiatischen Raum. Im Mittelalter war sie auch in Europa recht verbreitet. Heute findet man Mispel-Sträucher nicht mehr besonders häufig. Sie kommen an Waldesrändern vor, in lichten, trockenen Eichenwäldern und in Hecken, so steht es in den Bestimmungsbüchern. Ich habe sie aber bisher nur in Parks und Vorgärten angetroffen. Auch gut.

Mispelfrucht (Copyright: wilderwegesrand.de)

Spätes Wildobst: eine Mispelfrucht an einem Strauch Ende November

 

Die Früchte der Mispel ähneln kleinen, harten Äpfeln. Anders als diese haben sie aber eine pelzige Haut. Ihre Farbe schwankt zwischen braun-orange und gelblich-grün. Markant sind die fünf vertrockneten Blütenblätter, die um die Frucht herum stehen bleiben. In rohem Zustand sind Mispeln ziemlich hart, ihr Fruchtfleisch ist generell sehr ‚körnig‘ und erinnert an das von Quitten oder sehr harten Birnen.

Die Mispel ist ein frostiges Früchtchen

Die Mispel braucht Frost, um genießbar zu sein. Deswegen sammelt man sie am besten nach den ersten Frostnächten und lässt sie dann noch eine gute Weile (mindestens zwei Wochen) an einem kalten Ort ruhen. Erst dann entwickeln sie eine milde Süße.

Novemberfrucht schon in Oktober ernten

Da aber auch Eichhörnchen und Vögel ganz gerne an ihnen knabbern, empfehle ich, Mispeln nach Möglichkeit im Oktober zu ernten und sie dann mit künstlichem Frost in der Tiefkühltruhe auszutricksen. Nach dem Rausholen sollte man sie dann ebenfalls erst einmal lagern, damit sie nachreifen.

Mispelfrucht (Copyright: wilderwegesrand.de)

Typisch für die Mispel sind die fünf vertrockneten Blütenzipfel

 

Inhaltsstoffe der Mispel

Vor allem eines hat die Mispel reichlich und das ist Pektin. Das führt beim Kochen dazu, dass sie gut eindickt. Aber auch mit Gerbstoffen und Vitamin C kann sie dienen. Ihre Fruchtsäure ist recht mild. All das macht sie gerade für Menschen mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt zu einem sehr geeigneten Wildobst. Ein starker Teeaufguss aus den Blättern kann wegen der vielen Gerbstoffe übrigens als Rachenspülung gegen Entzündungen genutzt werden.

 

Mispelfrüchte am Baum (Copyright: wilderwegesrand.de)

Novemberfrüchte vor Novemberhimmel

 

Die Mispel in der Küche

Mispel in Süß
Ganz klassisch eignen sich Mispeln natürlich für Fruchtmus. Ich empfehle, noch Äpfel oder Birne dazuzugeben, auch Quitte passt gut, denn sooooo süß ist die Mispel nun nicht. Kocht man sie als alleiniges Obst, stehen ihr Zimt, Nelke oder Vanille gut. Etwas Chili passt auch – finde ich. Natürlich kann man sie auch als klassisches Kompott einkochen. Dazu würde ich aber immer ein paar Äpfel oder anderes Obst geben.

Mispel-Chutney
Dazu schneidet man die Mispeln klein, entkernt und brät sie mit roter Paprika, Zwiebeln, Äpfeln in etwas Öl kurz an. Dann fügt man etwas Zitronensaft, eine Handvoll Senfkörner, Salz und Pfeffer und, wer mag, noch etwas Zucker dazu und löscht alles mit etwas Wasser ab (nicht zu viel!). Ich nehme ab und an noch einen Schuss milden Essig oder Weißwein. Alles köcheln, bis es weich ist und dann in ausgekochte Schraubgläser füllen.

 

Mispelfrucht und Blätter (Copyright: wilderwegesrand.de)

Mispeln können auch rötlich sein

Mispelfrucht und Blätter (Copyright: wilderwegesrand.de)

Diese Früchte sind eher gelblich-grünlich

 

 

 

 

 

 

 

Diese beiden Fotos habe ich, ich gestehe, aus Büchern abfotografiert. Hier sieht man auch noch die Mistel-Blätter. Die sind nämlich im späten Herbst nicht mehr an den Bäumen.

 

Mispeln als Beilage
Ganz hervorragend machen sich Mispeln – finde ich – in Soßen, zum Beispiel in einer Zimt-Chili-Rotweinsoße. Wer experimentierfreudig ist, probiert noch etwas dunkle Schokolade oder Kakao als Zugabe für die Soße. Man kann Mispeln auch im Rotkohl mitkochen, dazu passen sie ähnlich wie Äpfel oder Birnen ganz hervorragend.

Viel Spaß mit den späten Früchten des Herbstes!

Wie immer freue ich mich über Eure Kommentare, Rezepte und Anregungen 🙂

 

 

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmail

2 Kommentare

  1. Mispeln habe ich leider noch nie entdeckt. Oder erkannt. Wer weiß …

    • Ich habe sie auch erst spät entdeckt. Halte mal im Herbst in Gärten oder Parks Ausschau.
      Viele Grüße!